Defizite beim IN EAR Monitoring.

Defizite beim IN Ear Monitoring. (Einsteiger und ambitionierte Amateure )
Behauptung: Der In Ear Monitorsound ändert sich nicht von einem Gig zum nächsten !
Nur der Raumsound ändert sich !
Warum muss dann jedes Mal der Monitorsound bearbeitet werden ?
Muss er eigentlich nicht !
Grundsätzliches
Das In Ear Monitoring (IEM) ersetzen die Wiedergabe über Monitorboxen. Der Monitormix ist der Primärsound für den Künstler.
Vorteile In Ear
• Das IEM ist Standort-unabhängig –
• IEM wird nicht vom Publikum gehört.
• Der IEM Mix ist idealerweise immer gleich.
• Jeder Künstler kann einen eigenen Mix bekommen. (Abhängig von den zur Verfügung stehenden Sendestrecken.
Nachteile Monitorbox:
• Der Sound aus Monitorboxen wird gleichzeitig wieder über die Mikrofone aufgenommen.
• Erhöhung der Gesamtlautsärke, Reflexionen der Rückwand, zusätzlicher diffuser Schall im Zuhörerraum.
• Der Sound fürs Publikum wird „verwaschener und intransparent“ im Vergleich zum reinen für den Zuhörer bestimmten Mix . (PA )
• Für ein 6 kanaliges Lautsprecher-Monitoring würden 6 Boxen mit einer jeweiligen XLR Leitung mit dem Mischpult verbunden. Jeder Mix käme aus nur einer Box. Der Sänger müsste an seiner Box stehenbleiben da er sonst den Mix der nächsten Box hören würde.
Beim IEM bekommt jede Sängerin seine Mischung aus allen Signalquellen(andere Mikrofone und eigenes) zusammengebaut. (Lautstärke)
Dieser Gesamtmix kann mit dem Equalizer individuell angepasst werden. (Höhen, Tiefen, Mitten)
Individuell kann dem In Ear Mix Hall zugemischt werden. Durch Kompressoren und Limitern wird der Mix verdichtet und/oder in der gesamtlautstärke beschnitten.
Bei gleichen Faderstellungen kann es also sein, dass Sopran lauter ist als der Bass.

Am Mischpult kann der Techniker über den Kopfhörer in alle MIXE reinhören. Der Techniker hört also genau was vom Mischpult in die 6 Sendekanäle und damit auf den Taschenempfänger gesendet wird.
Die Signale sind im Normalfalle unverfälscht, sauber, transparent und ohne Störgeräusche.
Möglichkeiten welche den Sound auf dem Weg zum Taschenempfänger beeinflussen wären vergessene Antennenverbindungen. (passiert manchmal und es rauscht. Oder vertauschte Kabel zu den Sendern. > A hört den C Mix usw.
Defizite in der Klangwahrnehmung können aber Ursachen auf der Bühnenseite haben die nicht vom Tontechniker über das „reinhören“ ermittelt werden können:
Die Möglichkeiten:
• Ohrhörer geben nicht wieder was aus dem Empfänger kommt.
i) Ohrhörer verstopft
ii) Kabel nicht richtig reingesteckt
iii) Ohrhörer haben schlechte Qualität
iv) Ohrhörer sind nicht richtig im Gehörgang platziert (bei InOhr Hörern ist einfalsches Einführen dramatisch hörbar, da dann ganze Frequenzbereiche ausfallen. Otoplastiken lassen ein falsches Einsetzten dagegen meist nicht zu.
• Abhilfe: Orhörer überprüfen.
Alle diese Effekte treten schon auf ohne dass „draußen“die PA an ist und können und müssten im Vorfeld ermittelt werden.
Folgende Effekte treten auf wenn die PA dazukommt. (und zwar je nach Lautstärke der PA)
Hier wird’s interessant :
• Die Sängerin nimmt zusätzlich den Außensound mit auf und es entstehen Mischungen die zu Interferenzen führen. Das sind Überlagerungen von Frequenzen und Laufzeiten. (Also ein ungewollter Mix aus draußen und Ohr-Stöpsel. )
i) Frequenzüberlagerungen führen zu Auslöschen oder Verstärkung von bestimmten Bereichen. Das wird oft als „mulmig“,“spitz“ – oder „durch ein Handtuch“ beschrieben. Dieser Effekt tritt auf wenn das Ohrsignal vorher gut war und mit „Saallautsprechen“ anders wird.
ii) Darüber hinaus trifft der Sound des Raumes zu unterschiedlichen Zeiten auf das Ohr:
der Schall im Tiefton und Tiefmittenbereich kommt von den Rückseiten der PA Boxen. Dies geschieht mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa 15-40 Millisekunden je nachdem wie weit die Sängerin von der PA Box entfernt ist.
Die Reflexionen aus dem Raum im Hochtonbereich kommen je nach Raumgräße nach 40-60 Millisekunden auf das Ohr der Sängerin. Das alles mischt sich vor dem Trommelfell mit dem IEM Signal
Hieraus ergibt sich ein Konglomerat aus zeitlich unterschiedlich auftreffenden Schallwellen welche sich untereinander beeinflussen.
Theoretisch bräuchte die Sängerin nur einen 100% geschlossenen Kopfhörer um diesen Mixmasch auszuschließen. Eine gute , richtig eingesetzte und physiognomisch passende Otoplastik kommt dem schon sehr nahe, da diese den Außensound gewaltig dämmt.
Ein tief in den Gehörgang eingesetzter In EAR Hörer dämpft ebenfalls schon mal viel von außen.

Alles wäre gut wenn:
der Ohrhörer Hörer nur alles Gewollte als Direktschall aufs Trommelfell brächte und zwar in allen Frequenzen lauter als das was von draußen kommt.
Aber:
Sobald aber Frequenzbereich zeitverzögert (also von draußen) lauter auf das Trommelfell auftrifft nimmt das Gehirn dieses Signal prioritär an. Und dann kommen die o.g. Interferenz-Probleme. Das Ohr sucht sich in diesem Falle das „falsche“ Signal auch wenn es das „richtige“ verfälscht. Eine Möglichkeit wäre die Lautstärkeerhöhung des Ohrhörers – das hat natürlich Grenzen.
Ein Herausnehmen eines Stöpsels bietet dem linken und rechten Ohr 2 verschiedene Mixe – ist also kontraproduktiv .
Geübte Sänger /innen haben die Möglichkeit die „falschen“ Signale als nicht für sie bestimmt zu ignorieren. Wahrscheinlich hat er sich daran gewöhnt, den „sound“ der am direktesten ist zu „nehmen“
Eine weitere Erklärung für Defizite ist auf ähnlicher Ebene zu suchen:
„Ich höre mich klar und deutlich aber die anderen wie aus einem anderen Raum“ hier ist das Phänomen möglicherweise die Übertragung der eigenen Stimme über die Kopfknochen. Auch hier ergibt sich eine Mischung aus Direktschall und Orhörerschall.
Oder: „soundso knallt mir bei diesem Lied zu sehr.“ Verständlich wenn mit größerer Lautstärke oder anderer Stimmlage ins Mikro gesungen wird. Der Tontechniker regelt das nach draußen entsprechend nach oder setzt den Kompressor ein. Ein Kompressor begrenzt sachte die Lautstärkespitzen und regelt dynamisch ab.
Der Kompressor wäre auch fürs InEar einsetzbar würde aber dann auch die meist gewünschte eigene Stimme in den Spitzen absenken. Der Kompressoreinsatz erfordert ebenfalls ein Verständnis der Technik und expliziten IEM Soundcheck.. Die brutalste Form eines Kompressors ist ein Limiter.
Es spielen auch unterschiedliche Energien unterschiedlicher Sängerinneneine Rolle: bei Solis oder hohen Stimmlagen können die anderen Stimmen in Bereichen überlagern überlagert werden. Dann nimmt das Ohr einige Lagen einfach nicht mehr war – weil diese Frequenz schon „Da“ ist.
(Beispiel: würde 2 Geigen den gleichen Ton in unterschiedlicher Lautstärke spielen wäre die eine Geige nicht mehr vorhanden. Man hörte nur noch die Schwebung – also die Obertöne und Schwingungen die nicht gleich sind.)
Fazit:
Ist der OHRMIX ohne Saalsound gut und alle Sängerinnen ändern den Pegel später nicht dramatisch – so müsste im im Orhörer nichts mehr geändert werden. Die Änderungen kommen dann durch die oben beschriebenen Dinge wenn die PA dazugefahren wird . Das ist aber für den Sänger der Sekundärsound. (und damit unerheblich wie Hundegebell, Applaus, Lachen oder Gläserklirren.) Primär ist das zugeführte IEM Ohrhörer Signal und fürs intonieren, Rhythmus und Gesamtklang wichtig. Diesen primären IEM Mix zu identifizieren, einzustellen und zu verwenden ist das Ziel.
Durch verschiedenen Beanspruchungen und Zustände ist das Ohr nicht immer gleich aufnahmefähig.. Wenig Schlaf, eine lange Autofahrt, Lärm und Krankheit können Ursachen für ein eingeschränktes oder ungewohntes Hörvermögen sein.
Der Techniker wird versuchen auf all diese individuellen Umstände zu reagieren. Eine gute Kommunikation spielt dabei eine wichtige Rolle.
Das Verständnis physikalischen und akustischen Gegebenheiten können helfen den oft schwammigen und schlecht zu erklärenden Defiziten auf die Spur zu kommen.
Fragen ? Gerne !
Gerd
www.kulturundfreizeit.de