Digitale Mischpulte für A-Cappella Ensembles im Vergleich

19" Digitalpulte im Vergleich .

Auf A-Cappella Festivals, stehen hinten im Saal meist mehrere Mischpulte der teilnehmenden Gruppen.
Bislang sah das immer wie eine Yamaha Ausstellung aus , da es sich überwiegend um Yamaha M7CL (als Systemkonsole),und dann eine Mischung aus 01V96 und Ls9 handelte.
Das hat sich verändert, da es aktuell viele neue Mixer gibt die den Anforderungen einer A-Cappella Darbietung gerecht werden und in Qualität und Leistungsmöglichkeiten einen Vergleich zulassen.

Ich habe folgende Mischpulte vor Ort und im Einsatz:

Yamaha LS9 16
Allen und Heath Qu 16
Yamaha 01V96i (neue Version mit USB !)
Roland M200I
Presonus 16.4.2
Behringer x32 Compact/Producer

Gemeinsamkeiten :

Alle Pulte sind 19" Fähig und besitzen 16 Mikrofon Eingangskanäle. Alle Geräte sind wireless über I-Pad steuerbar. Intern besitzen die Mischer Gate , Compressoren EQs und bis auf das Presonus 4 Effektgeräte- Presonus nur 2.

In der Architektur und Bedienung unterscheiden sich die Hersteller teilweise gewaltig. Eigenwillig ist hier das Presonus, dass alle Regler für die Bearbeitung als Channel Strip offen im Zugriff hat. Allerdings besitzt es keine Motorfader. Im auffälligen Gegensatz dazu das Roland M200I Hier ist die Bedienung von Klangregelung, Compressoren, Gates usw. konsequent über den (notwendigen) I Pad Toutchscreen zu bewerkstelligen. (es ist aber im Havariefall ebenfalls komplett ohne Flachrechner bedienbar)

Wichtig ist die Anzahl der Aux Wege (Busse) Möglich bei allen Geräten ist Konfiguration von 4 separaten Monitorwegen und 2 Effektbussen. Will man mehr Monitorwege fürs IN EAR oder mehr als 2 Effektwege so fallen hier das Presonus, das Roland M200 und das 01V96.
Ebenso ist die Anzahl der möglichen physikalischen Ausgänge unterschiedlich angelegt um zum Beispiel Outboard Effekte, Delaylines, Monitore zu bedienen.
In Umfang der Busse und Ausgänge ist das Behringer X32 der Sieger. (mit einer Erweiterungskarte ist dann das Ls9 Ausgangsmäßig ebenbürtig)

Unterschiede in der Bedienung der einzelnen Pulte sind gravierend und ohne umfangreiche Bedienungsanleitung ist der Umstieg von Analogpulten auf Digitalkonsolen eine unüberwindbare Hürde. Die angepriesenen" intuitiven" Bedienungen mit "analogfeeling" scheitern spätestens beim Konfigurieren , beim Einrichten des Routings und allgemeiner Setups.
In unseren Trainings zeigt sich , dass hier das Behringer X32, das Qu 16 und das M200i wohl die aktuellsten Umsetzungen in Sachen intuitivem Workflow haben.

Auch ein Download der bei allen Pulten verfügbaren kostenlosen Apps zeigt Unterschiede:
Das M200i App stellt alle Bedienungsfunktionen auf dem I-Pad zur Verfügung. Das X32 App ebenfalls. Bei den anderen Konsolen stehen die wichtigsten Funktionen zur Fernbedienung mit dem App zur Verfügung.
(Zum Kennenlernen sind alle Apps mit einem Demo Modus versehen, die ein Ausprobieren ohne Konsole zulässt) Auch die PC Steuerungen stehen bei den Herstellern als kostenloser Download zur Verfügung.

Studiomöglichkeiten.
Ein Stereo Mitschnitt des Konzertes ist bei allen Pulten einfach auf einem USB Stick möglich. MP3 bzw. WAV Format)
Presonus, Behringer, Allen & Heath,01V96i bieten die Schnittstellen über Firewire (USB) zu StudioSoftware wie Cubase, Cakewalk, StudioOne.
Das Behringer X32 ist sogar ein 32/32 Interface per FW ODER USB. Hier sind also umfangreiche Mitschnitte zur Studio Weiterverarbeitung möglich. Dadurch gibt's dann auch die Variante "Soundcheck ohne Musiker".

Eingänge XLR/Kli Ausgänge analog/Dig Aux
Matrix,DCA Effekte
GEQ Sends on Fader Mute Groups Schnittstellen Motorfader
Layer
LS9 16 8/1 16/8/- 4/6 X X USB /SPDIF Ethernet 17/5 5000,-
01V 12/4 8/1 8/8 4 X X Adat/SPDIF/USB 17/4 2000,-
X32 16/8 16/2 16/6/8 4/8 X X USB/FW/Cat5 17/8 2000,-
Q16 16/4 16/1 16/4 4/2 X X USB/AES/Cat5 17/4 2000,-
M200 16/6 12/1 8/4/8 4/4 X X AES/USB/Cat5 17/5 2100,-
16.4.2 16/4 16/1 6/4 2 SPDIF/FW - 1400,-

Die Preisentwicklung ist ohne Zweifel durch das Erscheinen des Behringer X32 gewaltig in Bewegung geraten. Die großen Hersteller haben nachgelegt und bei den Digitalpulten dieser Größe sind die Preise teilweise schon vor Verfügbarkeit um etliches gefallen um unter und um 2000.- mitzumischen.
Yamaha spielt mit seinem LS9 da bislang noch nicht mit. Mit dem mehr als doppelten Straßenpreis spielt es allerdings auch in dieser Klasse in der Oberliga und zwischen dem günstigen Presonus und dem Ls9 liegen Welten.

Ich kenne Gruppen welche sich auf Presonus und 01V96 entsprechende Scenen erstellt haben und Ihr Programm per Fußschalter von der Bühne selbständig steuern können.
Als Tontechniker arbeite ich nicht live gerne mit dem gewohnten Ls9. Zunehmend gewinne ich Vertrauen zu dem X32 mit den verbauten Midas Preamps und den Klark Teknik Komponenten.
Leider sind die genannten Allen & Heath und Roland Pulte in einigen Funktionen für unsere Anwendungen nicht ausreichend. Diese sind aber ebenfalls Ihr Geld wert und sind zeitgemäße Entwicklungen für kleinere Anwendungen.

Die oben genannten Mischpulte stehen hier für Schulungen und zum Test zur Verfügung.

Keine Rolle in diesem Vergleich spielen die reinen I-Pad basierten Mixer von Line6 (Stage scape) und Mackie DL1608. Das Roland M200i ist zwar ebenfalls mit dem I-Pad erst richtig komplett. Es verwendet dieses als Touchscreen und Bedienungselement ist aber auch ohne Flachrechner komplett zu bedienen.

Gerd Mikol