Grimms Märchen

Link zur Gruppe: 

Mit Märchen in Allgemeinen ist es ja so eine Sache. Sie sind im Bereich der fiktiven Erzählung angesiedelt, vermitteln aber stets eine moralische oder gesellschaftliche Komponente in die Welt des Lesenden. Dem Leser wird ein Spiegel vorgehalten, er wird mit einer Lebenssituation konfrontiert, zu der er sich positionieren muss. Bei diesem „Grimms Märchen“ war das völlig umgekehrt. Hier zeigte die Realität, wie märchenhaft sie sein kann, wurden Menschen aus Fleisch und Blut, Menschen wie Du und Ich zu Rittern und Prinzessinnen.
„Grimms Märchen“ meint in diesem Falle nicht die Märchensammlung der Gebrüder, sondern die Märchenhochzeit des soundappeal-Basses Holle Grimm mit seiner Frau Yvonne, sozusagen die 2011er Ausgabe von Grimms Märchen. Doch lest selbst.
Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebte ein edler Bursch von echtem Schrot und Korn in der Stadt, trotzdem er war allein. So lag er des Abends auf seiner Lagerstatt, erhob des Morgens sein Haupte und speiste, wenn die Sonne am höchsten stand in gänzlicher Einsamkeit. Und manchmal, aber nur manchmal entrang sich seiner Brust ein tiefer, tiefer, tiefer, tiefer Seufzer.
Zu gleicher Zeit begab es sich aber, dass einer holden Maid der Speckgürtel zu eng ward, und so zog es sie hinaus in die große, weite Welt und hinein in die Stadt, in der der König mit dem Regenbogenbanner regierte. Auch sie ward allein und grämte sich. Hatte ihr die alte Wahrsagerin doch ewges Glück und Zufriedenheit bis ans Ende aller Tage weisgesagt, so sie denn in die Stadt ginge. Und so lag sie des Abends und des Morgens auf ihrem Lager, aß des Mittags, was vom Abend übrig war und ihrer Brust entrann ein Seufzer, der so traurig war, dass er alles um sie herum bis aufs Mark erschütterte. Das hörte der edle Bursch und dachte bei sich, dort, hinter diesem Fenster, lebt eine Maid, die seufzt so herzerweichend schön, die will ich zu der Meinigen machen. Und er erhob seine Stimme und sang so bezaubernd, dass die Maid zum Fenster eilte. Und als sich ihre Blicke trafen, da waren sie voll der Liebe und des Vertrauens.
Bald darauf wurde Hochzeit gefeiert, auf einem Gut, das größer und prächtiger nicht hätte sein können. Aus dem ganzen Reich kamen die edlen Leute und hatten ihr Geschmeide angelegt, wie es nur die Edelsten hatten. So stand man und wartete auf die Braut mit ihrem Manne. Heiß brannte die Sonne und die Vögel zwitscherten in den Bäumen. So man das Paar den blütenbestreuten Weg entlangwandeln sah, hub an die Fanfarenkumpanei zu spielen, und es war gleich einer Königshochzeit. Ein Schwarm von weißen Tauben war gekommen, dem Jubelpaar zu gratulieren, gespiesen wurde viel und auch getrunken. Am Abend sah man Ritter im Duell und sechs lustge Barden sangen der Braute das Loblied. Das Lied der Frau Holle.
So war es an jenem Abend auf dem Gut der Grimms. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

In den höchsten Tönen gratulierend, soundappeal

UnsereHochzeit 008.jpg