Wann
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Telemannfestage 2026 - Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg - Regierungsstraße 4-6, 39104
Georg Philipp Telemann (1681-1767) – Sicilianischer Jahrgang
tickets: link

Ensemble Polyharmonique & Wrocław Baroque Orchestra
Magdalene Harer - Sopran
Joowon Chung - Sopran
Alexander Schneider - Alt &  Musikalische Leitung
Jaro Kirchgessner – Alt
Johannes Gaubitz - Tenor
Christopher Renz - Tenor
Matthias Lutze - Bass
Cornelius Uhle - Bass

Programm:

Ouverture
aus: Ouverture-Suite - TWV 55:g5
Lobe den Herren
aus: Sicilianischer Jahrgang - 12.Sonntag nach Trinitatis - TWV 1: 1054
Herr wir liegen vor Dir
aus: Sicilianischer Jahrgang - 5.Sonntag nach Ostern - TWV 1: 782
Ihr Lieben lasset uns untereinander
aus: Sicilianischer Jahrgang - 13.Sonntag nach Trinitatis - TWV 1:909
Loure, Bourée 1& Bourée 2
aus: Ouverture-Suite - TWV 55:g5
Wer sich selbst erhöhet
aus: Sicilianischer Jahrgang - 17.Sonntag nach Trinitatis - TWV 1: 1603
Wir müssen alle offenbaret werden
aus: Sicilianischer Jahrgang - 9.Sonntag nach Trinitatis - TWV 1: 1670
Menuet 1 & Menuet 2, Air Angloise
aus: Ouverture-Suite - TWV 55:g5
Der Gott des Friedens
aus: Sicilianischer Jahrgang - 2.Sonntag nach Ostern (Misericordias) - TWV 1: 250
Gott hat Geduld mit uns
aus: Sicilianischer Jahrgang - 22.Sonntag nach Trinitatis - TWV 1:653

Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach wünschte, in seiner Hofkapelle moderne Kirchenmusik zu hören. Sie war nicht nur Teil gottesdienstlicher Praxis, sondern zugleich Ausdruck seines Repräsentationswillens. Kompositionen Telemanns schienen ihm dafür am geeignetsten, so dass er seinen einstigen Hofkapellmeister auch nach dessen Wegzug aus Eisenach an seinen Hof band. Er ernannte ihn 1717 zum Kapellmeister „von Haus aus“ und erteilte ihm den Auftrag, kirchenmusikalische Jahrgänge zu komponieren, die zuvor an keinem anderen Ort erklingen sollten. In diesem Zusammenhang entstand der Sicilianische Jahrgang mit etwa 70 Kirchenstücken für jeden Sonn- und Festtag des Kirchenjahres. Telemann, der sich zeitlebens mit musikalischen Nationalstilen beschäftigte, stilisierte darin die Hirtenmusik Süditaliens, hörbar im Spiel zweier obligater Oboen oder Blockflöten sowie durch Elemente des Sicilianos. Oft ist der Musik etwas „sehr zärtliches und eine edle Einfalt“ eigen, wie Johann Mattheson den „sicilianischen Styl“ charakterisierte.

Gedanken zur Aufführung
Für das heutige Konzert wurden sieben Kantaten aus Telemanns Sicilianischem Jahrgang ausgewählt und zu einem Zyklus zusammengestellt. Nicht der liturgische Kalender bestimmt dessen Abfolge, sondern inhaltliche und musikalische Verwandtschaften. Die Auswahl besitzt eine innere Dramaturgie und führt die Hörenden durch grundlegende Aspekte des evangelisch-protestantischen Glaubens. Das Lob des Schöpfers steht neben Bitte und Klage, die Bruderliebe neben Demut, Buße neben Barmherzigkeit, die beide in einer tröstenden Zusage göttlicher Geduld münden. Jede Kantate beginnt mit einem Dictum, dessen Verse solistisch oder im Ensemble vorgetragen werden. Diese wiederkehrende Form setzt Orientierungspunkte und öffnet zugleich den Blick auf Telemanns Variantenreichtum. Affekte und Tonarten greifen ineinander. Kontraste werden bewusst gesetzt. Telemann erschafft eine an italienischen Vorbildern orientierte Klangwelt, die dennoch in der protestantischen Tradition Mitteldeutschlands verwurzelt bleibt. Der Einsatz zweier obligater Oboen oder Blockflöten verstärkt dieses Bild. Die Kombination schafft eine pastorale Szenerie von großer Unmittelbarkeit. Ein zentrales Strukturprinzip unseres Zyklus ist die konsequente Verteilung des solistischen Materials: Alle acht Sängerinnen und Sänger des Ensembles übernehmen Arien und Rezitative. Telemanns Musik erwächst aus kleinen, sanglichen Motiven und folgt dem Wort mit natürlicher Klarheit; kontrapunktisch gesetzte Chöre bündeln die Stimmen zu einem warmen, transparenten Klanggefüge. So entsteht, unterstützt durch die Vielfalt der Vokalstimmen, ein fortlaufender Wechsel von Klangfarben, Tessituren und rhetorischen Perspektiven in fein gezeichneten Rollen. Der Jahrgang wird als Labor der musikalischen Affekte erlebbar, mit ständig wechselnden Stimmkombinationen, zwischen individueller Ansprache und kollektivem Coro. Das Orchester kommentiert, trägt, widerspricht und öffnet Räume. Eine festliche Ouverture setzt den Auftakt. Weitere Sätze der Suite erscheinen an dramaturgischen Eckpunkten. So entsteht aus Einzelwerken ein zusammenhängender Weg, ein Zyklus mit klarer Spannungsführung, der Telemanns Sicilianischen Jahrgang nicht nur präsentiert, sondern erfahrbar macht. Bei den Magdeburger Telemann Festtagen 2026 erlebt dieser Kantatenzyklus seine Premiere. Er versteht sich als Hommage an Telemanns schöpferischen Mut und als Einladung, diesem einzigartigen Jahrgang eine neue Gegenwart zu schenken.
Alexander Schneider

Adresse

Magdeburg
Deutschland

52.1314783, 11.6400789