Spielort: Evangelische Kirche Mildenau - Dorfstrasse 78
polyharmonique
Joowon Chung, Anna Nesyba | Soprano
Alexander Schneider | Alto & Musikalische Leitung
Johannes Gaubitz, Christopher Renz | Tenore
Matthias Lutze | Basso
Mayumi Hirasaki, Cosimo Stawiarski | Barockvioline
Martin Jantzen | Violone
Matthias Spaeter | Laute
Flóra Fábri | Orgel
Wolfgang Carl Briegel und Samuel Seidel
Das für jene Zeit bemerkenswert lange Leben von Wolfgang Carl Briegel (1626–1712) hatte zwei große berufliche Schwerpunkte: Von 1650 bis 1670 wirkte er als Kapellmeister am Hof des Herzogtums Sachsen-Gotha, ab 1671 bis zu seinem Lebensende als „Fürstlich Hessischer Kapellmeister“ in Darmstadt. Der Nachwelt hinterließ er ein umfangreiches und vielseitiges Oeuvre.
Ein großer Teil seines Schaffens ist der geistlichen Vokalmusik gewidmet. Daneben komponierte Briegel Opern, Ballette, Bühnenmusiken, Lieder und Instrumentalmusik. Das Ensemble Polyharmonique hat 2022 mit der international beachteten Einspielung seiner Zwölf Madrigalischen Trost-Gesänge dazu beigetragen, diesen außergewöhnlichen Komponisten einem größeren Publikum bekannt zu machen.
Eine weitere spektakuläre Wiederentdeckung ist der siebenteilige Zyklus „Des Königs und Propheten Davids Sieben Bußpsalmen nebenst etlichen Buß=Gesprächen“ von 1690. Die Sammlung ist im concertanten Stil komponiert, reich an musikalischen Affekten und zugleich konsequent kontrapunktisch gearbeitet. In nobler, inniger Stimmführung zeigt sich Briegels besondere Meisterschaft in der musikalischen Ausdeutung des Textes.
Briegel steht im Mittelpunkt des Konzerts in Mildenau. Ihm zur Seite tritt ein Komponist, der ungleich stärker mit dem Erzgebirge selbst verbunden ist: Samuel Seidel aus Glashütte.
Seidel entstammte einer alteingesessenen Glashütter Handwerker- und Bürgerfamilie. Bereits 1635 wird er als Hilfsorganist an der Stadtpfarrkirche St. Wolfgang erwähnt, 1640 wurde er dort zum Organisten und Kantor berufen. Als Komponist war er weit über seine Heimatstadt hinaus angesehen. Seine Werke sind in zahlreichen Abschriften und Drucken im sächsischen Raum überliefert.
Seidels geistliche Musik steht an einer spannenden Schwelle: Seine liedhaft und volkstümlich geprägten Motetten weisen bereits in Richtung der späteren Kantate, während seine Geistlichen Konzerte mit einer unmittelbaren und ausdrucksstarken Tonsprache ganz in der musikalischen Welt des 17. Jahrhunderts stehen. Stilistisch zeigt sich dabei auch die Nähe zu Zeitgenossen wie Andreas Hammerschmidt.
Das Ensemble Polyharmonique bringt vier Werke aus Seidels „Seelenparadies“ sowie ein Werk aus dem „Ehrenkränzlein“ zum Klingen. So begegnen sich in Mildenau zwei sehr unterschiedliche, aber miteinander verbundene Facetten der geistlichen Musik des 17. Jahrhunderts: der überregional wirkende Meister Wolfgang Carl Briegel und der heute nahezu vergessene Glashütter Kantor Samuel Seidel.
Mildenau
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